Die Meeresbiologin am BVGer

Barbara Berli weiss, wie man sich als Frau in einer Männerwelt behauptet. Bevor sie ans BVGer kam, wo sie das Informations-management leitet, hat die Meeresbiologin auf einem Forschungsschiff und in der Fischerei gearbeitet.

22. Juli 2021

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Foto: Lukas Würmli

Bis im September vor zwei Jahren drehte sich Barbara Berlis Berufsleben ums Wasser und seine Lebewesen. Sie erforschte das Plankton in der Adria und die Lachse im Rhein; die Justizwelt war weit weg. Trotzdem sieht die stellvertretende Leiterin der Wissenschaftlichen Dienste, die seit Oktober 2019 am BVGer arbeitet, wichtige Parallelen zwischen ihren heutigen und ihren früheren Aufgaben: «Ich arbeite nach wie vor vernetzt und finde mit vielen verschiedenen Leuten praktikable Lösungen.» Als Leiterin des Informationsmanagements führt die 43-jährige Baslerin die drei Teams IT, Informationskoordination und Sprachdienst. Um das Informationsmanagement am Gericht zu entwickeln, hat sie die 15-köpfige «Benutzergruppe Informationsmanagement» ins Leben gerufen. «Alle Abteilungen, Sprachen, Geschlechter, Funktionen sind darin vertreten», freut sie sich, «das ergibt einen wertvollen Austausch.» Bearbeitet werden unter anderem Themen, welche Information, ihren praktischen Austausch oder den Zugang dazu beinhalten.

Delfine, Wale, Schildkröten, Mondfische
Solche Themen standen in ihrer bisherigen Karriere nicht im Vordergrund. Barbara Berli studierte Biologie und Nachhaltigkeit an der Universität Basel, leitete während eines halben Jahres ein Nachhaltigkeitsprojekt in Kanada und erforschte am Istituto delle Scienze Marine in Venedig das Zooplankton der oberen Adria. Dieses aus den Larven von Fischen, Seesternen, Seegurken und anderem bestehende Plankton sei ein guter Indikator für die Wasserqualität des Meeres und werde schon seit über fünfzig Jahren in Langzeitstudien erforscht, erklärt sie. Einmal in jeder Jahreszeit stachen sie und weitere Forschende für zwei bis drei Wochen in See. Bei schönem Wetter bestand ihre Arbeitskleidung auf dem Forschungsschiff aus Bikini und T-Shirt, doch die Expeditionen waren alles andere als Ferienreisen: «Die Arbeit war anspruchsvoll und körperlich anstrengend.» Man habe einander geholfen, etwa beim Herausziehen der schweren Netze, und habe sich bei Wind und Wetter auf Deck aufgehalten. Wurde sie nie seekrank? «Zum Glück nur einmal», antwortet sie, «und das war besonders bitter, weil ich zuvor die besten Calamari meines Lebens gegessen hatte.» Ansonsten aber schwärmt sie vom einfachen Leben auf dem Schiff, vom Miteinander und von unvergesslichen Begegnungen mit Delfinen, Walen, Schildkröten und Mondfischen.

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Bei Wind und Wetter auf Deck des Forschungsschiffs: Barbara Berli auf dem Mittelmeer.

Die Rückkehr der Lachse
Nach eineinhalb Jahren in Venedig kehrte sie nach Basel zurück, um am Zoologischen Institut zu Lachsen, Bachforellen und Aeschen zu forschen; ihre Doktorarbeit trägt den Titel «Populationsgenetik und -genomik der Lachsartigen in der Region Basel». Besonders angetan hat es ihr der Atlantische Lachs. Er wandert nach seinen ersten Lebensjahren im Rhein in den Atlantik wandert, um nach einigen Jahren zum Laichen ins heimische Flusssystem zurückzukehren. «Dabei muss er jeweils seinen ganzen Stoffwechsel umstellen, von Süss- auf Salzwasser und wieder zurück.» 1958 galt der atlantische Lachs im Rhein, dem einst lachsreichsten Fluss Europas, als ausgestorben. Barbara Berli setzte sich im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit für seine dauerhafte Wiederansiedlung ein und arbeitete dafür mit den kantonalen Fischereibehörden der Nordwestschweiz und mit Berufsfischern zusammen.

Wie hat sie sich als Frau in dieser Männerwelt behauptet? «Ich hatte nie Probleme», sagt sie. «Wichtig ist, Vertrauen zu schaffen, indem man das Können und Wissen des Gegenübers wertschätzt, dann kann man nur voneinander profitieren.» Eine Aussage, die uneingeschränkt auch für ihre heutige Arbeit am BVGer und insbesondere für ihre Arbeit im Informationsmanagement gilt. «Wir können so viel voneinander lernen», sagt sie, «und je mehr wir im Generalsekretariat von der Rechtsprechungsarbeit wissen, umso besser können wir diese mit unseren Dienstleistungen unterstützen.»

Katharina Zürcher

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