Juristinnen zieht’s ans Bundesverwaltungsgericht

Das BVGer wirkt auf Verwaltungsrechtler aller Sprachregionen wie ein Magnet. Französisch- und italienischsprachiges Personal für die Kanzleien und das Generalsekretariat nach St. Gallen zu bewegen, sei hingegen wesentlich schwieriger, sagt HR-Chef Mirco Facchin.

12. August 2021

Symbolbildmircofacchin
Foto: Peter Ruggle

Während sich die Bundesverwaltung bei der Rekrutierung der Mitarbeitenden anteilsmässig an den Bevölkerungszahlen pro Sprachregion orientiert, entscheidet am BVGer der Beschwerdeeingang über den entsprechenden Personalbedarf. Romanisch ist deshalb am Gericht nur marginal vertreten, dafür ist der Anteil französischsprachiger Personen höher als in der Bundesverwaltung.

Die Adresse für Verwaltungsrecht
Die Standort-Diskussionen rund um die neuen eidgenössischen Gerichte sind vielen noch in Erinnerung. Damals wurde befürchtet, dass sich Jurist/innen kaum in die jeweils anderen Landesregionen locken liessen. «Bei uns ist diese Befürchtung nicht eingetroffen», bilanziert HR-Leiter Mirco Facchin. «Juristeninnen, die im Verwaltungsrecht Karriere machen wollen, sind am BVGer an der richtigen Adresse.» Das helfe dabei, den Bedarf an qualifizierten Personen aus allen Landesteilen zu decken.

Kanzleien und Generalsekretariat: Ostschweiz für viele zu weit weg
Anders sieht die Situation bei Kanzlei- und Querschnittsfunktionen aus. «Für die Kanzleien und das Generalsekretariat ist es sehr schwierig, über die Ostschweiz hinaus Mitarbeitende zu finden. Die wenigen Tessiner und die Romands kamen oft aus persönlichen Gründen nach St. Gallen», sagt Mirco Facchin. Wer Deutsch lernen möchte, suche eben eher in Bern oder Zürich eine Stelle. Oftmals scheitere die Suche aber nicht an den unterschiedlichen Sprachen, sondern an der geografischen Distanz zur Heimat. «Im Gegensatz zu den Abteilungen, die mit Karrierechancen für Jurist/innen locken, fehlen uns in den Kanzleien und im Generalsekretariat die Argumente für einen Umzug in die Ostschweiz.»

Unter dieser Tatsache «leidet» das HR selbst. Die Anstrengungen, Mitarbeitende aus der Romandie für das HR zu gewinnen, blieben bei den letzten Rekrutierungen erfolglos. Umso mehr achtet Mirco Facchin bei der Rekrutierung von Personalbereichsleitenden auf gute Französisch- und/oder Italienischkenntnisse. Dies sei unabdingbar, da Bewerbungsgespräche in der Arbeitssprache des jeweiligen Teams durchgeführt werden.

Keine Headhunter im Einsatz
Unternimmt das BVGer spezielle Massnahmen, um passende Bewerbungen zu erhalten? Headhunter oder Personalvermittler zu engagieren, da vakante Stellen öffentlich ausgeschrieben werden müssen, sei nicht möglich, so der HR-Leiter. Jedoch nehme das BVGer zwischendurch an Hochschul-Messen teil. Stark ausgebaut werden konnte die Präsenz in den sozialen Medien, namentlich auf Linkedin, wo in der Zwischenzeit fast 2000 Personen dem BVGer folgen. Freie Stellen würden dort konsequent publiziert und jeweils von mehreren hundert Personen gesehen. Auch der BVGer-Unternehmensfilm wirke sich positiv auf potenzielle Bewerber/innen aus. Weitere Massnahmen im Bereich Personalmarketing seien angedacht, um die Attraktivität für potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten weiter zu erhöhen.

Andreas Notter

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