Das BVGer gemeinsam voranbringen

Während des Corona-Lockdowns stand der damalige IT-Koordinator und heutige Business Requirements Engineer Giovanni Melone unter Dauerdruck. Trotzdem fand er die Zeit sehr spannend.

28. Oktober 2021
«Berufsleben und Alltag ohne IT sind kaum mehr vorstellbar»: Business Requirements Engineer Giovanni Melone hatte nicht nur während der Coronakrise alle Hände voll zu tun.
Bild: Lukas Würmli

Giovanni Melone, ohne IT hätte der Gerichtsbetrieb während des Lockdowns nicht aufrechterhalten werden können. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Die IT ist heutzutage grundsätzlich überall wichtig, nicht nur im Berufsleben. Auch der private Alltag ohne IT-Infrastruktur ist nur noch schwer vorstellbar: Von der Migros-Kasse über das e-Banking oder die Online-Shops bis zur Handy-Kommunikation ist alles vernetzt. Die Zeit des Lockdowns empfand ich hektisch und herausfordernd, aber auch sehr spannend.

Hätten Sie sich vor der Coronapandemie vorstellen können, dass das BVGer von einem Tag auf den anderen in den weitgehenden Telearbeits-Modus wechselt?
Ja, durchaus. Vor der Coronakrise wussten viele Personen aber gar nicht, was mit heutiger Technik alles möglich ist. Zudem fehlte das Vertrauen in Technik und Leute. Da der Gerichtsbetrieb aber auch während des Lockdowns weiterlaufen musste, gab es plötzlich keine andere Möglichkeit mehr. So haben sich alle von einem Tag auf den anderen der neuen Situation angepasst. Und heute gehören Skype-Besprechungen und Video-Telefonkonferenzen zum Alltag. Sogar die Plenumsversammlung, an der die eine Hälfte vor Ort und die andere von zu Hause aus teilnahm, hat sehr gut geklappt. Entsprechend wurde inzwischen aber auch technisch aufgerüstet.

Während des Lockdowns waren Sie immer vor Ort tätig. Welches waren die grössten Herausforderungen und die häufigsten Probleme, mit denen Sie konfrontiert waren?
Die grösste Herausforderung war, innert kurzer Zeit ein stabiles System zur Verfügung zu stellen. Glücklicherweise konnten wir ein neues System, das wir in Planung hatten, frühzeitig ausrollen. Zudem mussten wir die benötigte Hardware – etwa Monitore oder Dockingstationen – sowie Software wie Adobe Acrobat flächendeckend organisieren, installieren und konfigurieren. Innert möglichst kurzer Zeit mussten so viele Dossiers wie möglich digitalisiert werden, wozu wir das Scancenter einrichteten und zusammen mit einem unserer Richter Schulungen organisierten. Dann gab es technische Probleme mit überlasteten Druckern oder Scannern, die nicht für diesen intensiven Gebrauch ausgelegt waren. Auch hatten viele Personen individuelle Bedürfnisse, denn bei der Arbeit zu Hause tauchten neue Fragen und Probleme auf. Es gab enorm viel zu tun, doch irgendwie schafften wir es, diese Zeit erfolgreich zu überstehen.

Was hat Sie positiv, was negativ überrascht?
Positiv war der Zusammenhalt des Gerichts, die Zusammenarbeit in den Teams und zwischen den Abteilungen. Alle machten diskussionslos mit. Negativ war der Dauerdruck, unter dem wir aufgrund von fehlenden personellen Ressourcen standen.

In welchem Bereich sehen Sie nach diesem Digitalisierungsschub Potenzial für weitere Digitalisierung?
Es gibt repetitive Prozesse, die wir automatisieren könnten. Ganz grundsätzlich hoffe ich, dass wir die Digitalisierung massgeschneidert auf das BVGer weiter vorantreiben können. Dadurch können wir allen die Arbeit erleichtern und die Serviceleistungen des Generalsekretariats verbessern.

Sie arbeiten neu als Business Requirements Engineer IT-Projektleiter und unterstützen das Digitalisierungsprogramm eTAF. Packen Sie die oben beschriebenen Punkte gleich als erstes an?
Die Reihenfolge und Priorisierung der diversen Digitalisierungsprojekte liegt nicht in meiner Hand, aber sicherlich kann ich beratend mitwirken. Die von mir angesprochenen Punkte sind aber ohnehin in den einzelnen Vorhaben verpackt, weshalb ich mich auf diese neue Aufgabe auch sehr gefreut habe. Allgemein versuche ich, mit meiner Arbeit das Vertrauen in und die Lust für digitale Arbeitsweisen zu stärken und die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Ich wünsche mir seitens aller Mitarbeitenden aber auch möglichst viel Offenheit für neue Systeme und neue Arbeitsprozesse. Indem wir alle am gleichen Strick ziehen, können wir das BVGer gemeinsam voranbringen.

Interview: Katharina Zürcher

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