Schachtelsätze? Können wir!

Die juristische Sprache gilt gemeinhin als kompliziert und grammatikalisch komplex, weshalb am heutigen Tag der Schachtelsätze genau diesem syntaktischen (Stil-)Mittel ein Artikel gewidmet sei, um das eben genannte Vorurteil zu entkräften, obwohl…

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… bestimmt jede und jeder, die oder der sich, sei es als aktiv Beteiligter oder lediglich als interessierte/r Aussenstehende/r, einst mit einer allgemein juristischen, arbeitsrechtlichen oder – es möge ein positives Ende genommen haben – strafrechtlichen Frage konfrontiert sah, die folgende Situation kennt, in der eine nähere Befassung mit der vorliegenden Thematik und deren rechtlicher Ausgangslage schnell einmal, ob gewollt oder nicht, wobei dies natürlich mit dem in die Recherche gesteckten Engagement in einem wohl verlässlich – ein Statistiker würde hierzu auf eine deutlich vorliegende Signifikanz plädieren – positiven Zusammenhang steht, zu einer Flut an Informationen führte, zusammengesetzt aus Gesetzestexten, Stellungnahmen, Referenzurteilen und -berichten sowie wissenschaftlichen Artikeln, welche, sofern das entsprechende Thema ausreichend Teil von Untersuchungen und Nachforschungen – egal ob universitären oder medialen Ursprungs, was hingegen aufgrund des Stempels der Wissenschaft wiederum vielerorts als kontrovers angesehen würde – war, ein mindestens ebenso grosses Ausmass, gemessen an der Höhe der Papierstapel oder der in der Summe verpackten Bytemenge, annehmen würden wie die zuvor genannten Dokumenttypen, welche deshalb an dieser Stelle nicht noch einmal aufgeführt werden, sodass eine sinnvolle Verpackung, wobei hier zu gleichen Teilen die Verständlichkeit sowie die Effizienz sowohl für die Autoren als auch für die Leserseite als Kriterium herhalten muss und dabei der Sinn im philosophischen Verständnis – aus Respekt vor der Vielzahl an nicht vernachlässigbaren Werken, die diesem Bereich und dieser welt- und gesellschaftspolitisch oftmals konsultierten Sinnfrage gewidmet sind – nicht speziell berücksichtigt werden kann, schwer, um nicht zu sagen unmöglich, zu erreichen ist, ausser – und deshalb sei diesem syntaktischen, besonders in der deutschen Sprache äusserst beliebten Mittel am heutigen Donnerstag, 25. Februar, ohne dabei eine Verbindung zum gleichentags im Jahre 1793 stattfindenden Kabinettstreffen vom damaligen – und auch heute noch bestens bekannten – Präsidenten der Vereinigten Staaten George Washington, welches übrigens das erste seiner Art war zu machen und schon gar nicht zur ebenfalls am viertletzten Tag des Februars, wobei diese Zählweise nur in den nicht als Schaltjahren geltenden Lenzen an Gültigkeit behält, stattfindenden Wahlen von 1996 in Äquatorialguinea, die der 1942 geborene Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, noch heute Staatspräsident des – wie es der Name nahelegt – auf Höhe des Äquator liegenden Staats auf dem afrikanischen Kontinent, mit einer überzeugenden Mehrheit von 97.85% der Stimmen für sich entscheiden konnte, ziehen zu wollen, obwohl bei Zweitem immerhin die Schachteln als prädestiniertes, weil international üblicherweise als solches verwendetes Transportmittel der Wahlzettel einen schwachen Hinweis auf die Entstehungsgeschichte des speziellen Gedenktages sein könnten, ebendieser auch gegönnt, ohne zu vernachlässigen, dass der Begründer dieses skurrilen Events, Bastian Melnyk, so in erster Linie das Ziel verfolgte, dass möglichst viele Sprachgebrauchende diesen Tag dazu nutzen, um verwirrende und lustige, wobei der Schalk für manch eine oder einen als schwer verständlich und verdaulich daherkommen mag, Schachtelsätze zu bilden, was dieser Artikel als dankbare Steilvorlage aufnahm – man bedient sich des umstrittenen, ja gar oftmals in der neusten Grammatiklehre verpönten, weil schnell zu Unleserlichkeit führenden Mittels des Bandwurmsatzes, gegen dessen Verwendung eine, gemessen an den zur Erstellung eines solchen Satzes zur Verfügung stehenden Hilfsmittel, deutliche Überzahl an Tipps, wie man Schachtelsätze verhindert, zu finden ist, die von einer Variation der Satzlänge, welche alternierend nach Quelle in Anzahl Worten oder Atemlängen definiert wird, bis hin zu einer Limitierung der Nebensätze auf einen pro drei Hauptsätze, ohne dabei zu vernachlässigen, dass grammatikalisch zusammengehörende Elemente eines Satzes von maximal sechs Worten oder gar nur 12 Silben, was im Grunde aber auch einer grösseren Anzahl von Worten als nur deren sechs entsprechen kann, getrennt sein dürfen, reichen und der oder allgemein die Menge an Schachtelsätzen den amerikanischen Schriftsteller Mark Twain – ihm verdankt die Welt Werke wie Tom Sawyer, das, was für die Zeit um 1876 noch ungewöhnlich war, in einer gängigen Alltagssprache geschrieben und dadurch wohl nur spärlich mit langen Schachtelsätzen literarisch angereichert war – dazu brachte, den Satz «Man beachte, wie weit das Verb von der Ausgangsbasis des Lesers entfernt ist; nun, in einer deutschen Zeitung setzen sie ihr Verb auf die nächste Seite, und wie ich gehört habe, geraten sie manchmal, wenn sie sich eine oder zwei Spalten lang mit aufregenden Präliminarien und Parenthesen abgegeben haben, in Eile und müssen sie in Druck geben, ohne überhaupt bis zum Verb gekommen zu sein» – wohlgemerkt auch ein überaus beachtliches Exemplars einer Hypotaxe – in einem Aufsatz zu publizieren, der den Titel trug: «Die schreckliche, deutsche Sprache».    

Lukas Würmli

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