So meistert das BVGer die Corona-Krise

David Schneeberger wurde Ende Februar unversehens zum Leiter des Fachstabs Corona ernannt. Der junge Jurist navigiert(e) das BVGer zielsicher durch den Lockdown und die «zweite Welle».

30. November 2020
David Schneeberger, Leiter des Fachstabs Corona, steht vor seiner Planungswand.
Foto: Lukas Würmli

Rückblickend betrachtet: Wie gut hat das BVGer den Lockdown vom Frühjahr gemeistert?
David Schneeberger: Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Ausnahmesituation überraschend gut gemeistert. Dass wir trotz der schwierigen Situation bei vier Abteilungen unsere Effizienz steigern konnten, hat wohl niemand erwartet und ist wirklich sehr erfreulich! Ich glaube, unser Gericht ist durch die Krise zusammengewachsen.

Sie leiten den Corona-Fachstab und wurden mit dieser Aufgabe kurzfristig betraut. Würden Sie diese Aufgabe rückblickend nochmals übernehmen?
Ja, definitiv. Mir liegt es, konzeptionell zu denken, mit verschiedenen Spezialisten zusammenzuarbeiten und dabei innert kürzester Zeit machbare sowie zielführende Lösungen zu finden. Insgesamt war – beziehungsweise ist – die Leitung des Fachstabes eine spannende Herausforderung.

Sie mussten zahlreiche Massnahmen beschliessen und umsetzen. Wie behielten Sie den Überblick?
Mittels konsequentem Controlling. Wir führten ein Cockpit mit Massnahmenliste, Lagebeurteilung, Variantenplanung, Personalplanung, Terminliste, Pendenzen- und Auftragslisten sowie weiteren Dokumenten. Insgesamt haben wir im Fachstab bisher gegen 350 Aufgaben erledigt, rund 70 Massnahmen umgesetzt, mehr als 50 interne Newsmeldungen abgesetzt und zahlreiche Merkblätter und Videos publiziert. Gerade in der Anfangszeit änderte ja praktisch täglich die Ausgangslage, was von allen maximale Flexibilität abverlangte. Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiteten zudem ein sehr hohes Pensum, um den Betrieb des BVGer auch in dieser ausserordentlichen Situation sicherstellen zu können.

Viele der Massnahmen sind unpopulär und einschränkend. Wie gehen Sie mit Kritik um?
Wir orientieren uns konsequent an den Vorgaben des BAG und adaptieren diese fortlaufend auf unsere lokale Situation. Die Kritik einzelner Personen hat geholfen, unsere eigenen Massnahmen laufend zu optimieren.

Was sind die grössten Herausforderungen für den Corona-Fachstab?
Es gibt keinen Präzedenzfall, auf den wir uns beziehen konnten. Herausfordernd ist es, mutig und zeitgerecht die richtigen Massnahmen in einem vernünftigen Ausmass zu treffen. Manchmal ist ein guter Plan heute besser als ein perfekter Plan morgen.

Wie lange bleibt der Fachstab noch bestehen?
Der Fachstab bleibt als Gruppe bestehen, bis die «normale Lage» wieder eintritt. Niemand weiss, wie lange das noch dauert..

Inwiefern hat «Corona» das Gericht verändert? Was wird bleiben?
Der Druck für unkonventionelle Lösungen hat der Digitalisierung einen Schub verpasst. Wir haben gelernt, neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuprobieren und mit weniger Papier zu arbeiten. Und es hat sich gezeigt, dass eine hundertprozentige Anwesenheit am Gericht nicht zwingend nötig ist, um effizient zu arbeiten.


Interview: Andreas Notter

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