Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Hinter komplexen Rechtsakten und administrativen Verfügungen pulsiert am Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen das Leben. Die Rede ist vom menschlichen Abenteuer der Rechtspraktika. Jedes Jahr tritt ein Grüpplein junger Studierender aus der ganzen Schweiz an verschiedenen Gerichtsabteilungen ein Praktikum an, das die Präzision des Rechts mit sozialem Zusammenhalt verbindet. Wir treffen Dorit Jakobovits, Gabriel Baal, Greta Agliati und Léonard Euler, die den Teamgeist à la BVGer in ihrem Praktikum optimal verkörpern.
Vier Laufbahnen, ein Praktikum, eine gemeinsame Dynamik
Sie kommen aus Genf, aus dem Tessin und anderen Kantonen, aber eines verbindet die Praktikantinnen und Praktikanten am BVGer: die Lust, in die Maschinerie der Bundesgerichtsbarkeit einzutauchen. Für Dorit Jakobovits war es nach Abschluss ihres Jurastudiums in Neuenburg, Genf und Basel keine Frage: Sie liess die Gelegenheit, eine Erfahrung auf Bundesebene mit konkreten Rechtsaufgaben zu verbinden, nicht ungenutzt verstreichen: «Ich wusste nicht genau, worauf ich mich einliess, wurde hier aber von meinem Team und den anderen Praktikantinnen und Praktikanten sehr gut aufgenommen und integriert.» Greta Agliati trat nach ihrem Rechtsstudium in Zürich und einem Zusatzzertifikat in Genf ein Praktikum in der Abteilung VI an, um sich nach einer Erfahrung im Asylrecht vertieft mit dem Ausländerrecht zu befassen.
Léonard und Gabriel geben zu, dass sie weniger aus Wahl, eher zufällig in der Abteilung VI gelandet sind. Doch sind sie beide völlig zufrieden, wie vielfältig und auch anspruchsvoll die Verantwortlichkeiten sind, die ihnen anvertraut werden: «Es ist viel stimulierender, als ich mir vorgestellt hatte», so Leonard. Und Gabriel setzt hinzu: «In nur zwei Monaten habe ich eine echte Innenschau auf die Gerichtsarbeit erhalten!»
Hilfsbereitschaft als Schlüssel zum Erfolg
Juristerei als einsame Büroarbeit? Unsere vier Gesprächspartner/innen erleben ihr Praktikum vielmehr im Zeichen der Zusammenarbeit. Ständig wird miteinander geredet, etwa um eine bestimmte Rechtsfrage zu diskutieren oder technische Tipps zu IT-Tools wie Juris und FindInfo auszutauschen. «Man arbeitet vor allem mit den Kolleginnen und Kollegen der Abteilung zusammen. In den Pausen und beim Essen bieten sich aber Gelegenheiten für den Austausch mit anderen Abteilungen. Das ist wertvoll», so Gabriel. Auch Greta arbeitet in ihrem Büro eng mit den anderen zusammen, gerade wenn ein Dossier etwas komplexer ist oder wenn sie andere Meinungen zu einer Interpretation einholen will.
Die gegenseitige Hilfe geht aber weit über das Berufliche hinaus. In einem anspruchsvollen Arbeitsumfeld sind die anderen Praktikantinnen und Praktikanten auch wertvolle moralische Stützen. «Es ist sehr wichtig, Gleichaltrige um sich zu haben. Wir sprechen über die Arbeit, aber auch über unsere Zukunft: Anwaltspatent, Dissertation oder Gerichtsschreiberkarriere», so Gabriel. Dorit setzt hinzu: «So wird die Erfahrung sinnvoll, man erhält Orientierung und teilt die gemeinsame Erfahrung, von zu Hause weg zu sein.»
«Das ist mehr als ein Praktikum, das ist eine richtige soziale Erfahrung. Wir teilen die Arbeit, aber auch Momente des Lebens»
Gabriel Baal
Vielfalt und Zusammenhalt
Am BVGer ist die sprachliche und kulturelle Vielfalt keine Einschränkung, sondern eine Bereicherung. Die Mehrsprachigkeit ist nicht wegzudenken, gesprochen wird auf Französisch, auf Deutsch, auf Italienisch und spontan auch in einem Sprachengemisch. «Plötzlich merken wir, dass wir als Französischsprachige Deutsch zusammen gesprochen haben», amüsiert sich Leonard. Und Dorit zählt die wertvollen Kompetenzen auf, die diese Vielfalt prägt: Offenheit, Toleranz und natürlich intensives Sprachtraining. Greta hüpft im Alltag je nach Gegenüber zwischen Italienisch, Deutsch und Französisch hin und her. Auch wenn die kulturelle Nähe den Austausch fördert, sieht sie die Vielfalt doch in erster Linie als Bereicherung.
Selbstverständlich hat es sie näher zusammengebracht, dass sie alle aus ihrer Herkunftsregion weggezogen sind: «Wir kommen von weit weg und haben uns hier gefunden», so Dorit. Und im Laufe der Wochen ist ein richtiger Teamgeist entstanden: Kaffeepause, Mittagessen, Curry-Znacht, Fussballmatch und das Entdecken lokaler Traditionen wie die Landsgemeinde. «Wir haben sogar eine WhatsApp-Gruppe, um uns besser zu organisieren», fügt Gabriel hinzu. Und Greta merkt an, dass diese Dynamik über die Praktikantinnen und Praktikanten hinausgeht. Auch mit Gerichtsschreibenden sind entspannte, wohlwollende Beziehungen entstanden.
Rechtserfahrung? Lebenserfahrung!
Die Stimmung unter den Praktikantinnen und Praktikanten? Freundschaftlich, anregend, amüsant, so die Direktbetroffenen. Sie sind sich einig, dass diese soziale Seite das Praktikum weit über die Rechtskompetenzen hinaus interessant macht. «Im Gespräch mit den anderen erhalte ich einen neuen Blick, konfrontiere meine Ideen und erweitere meine Denkweise», erzählt Dorit. Greta beschreibt die Stimmung als «fröhlich, motivierend und sehr verbunden». Sie war überrascht, wie viele Praktikantinnen und Praktikanten da sind, freut sich aber, zu einer so zusammengeschweissten Gruppe zu gehören.
Und was sagen sie zu jemand, der sich für ein Praktikum am BVGer interessiert? «Wenn du das Glück hast, auf ein solches Team zu treffen, dann los! Die Stimmung ist super, hier fühlst du dich nie allein, auch weit weg von zu Hause», fasst Dorit zusammen. Für Gabriel steht die Gruppendynamik im Vordergrund: «Das ist mehr als ein Praktikum, das ist eine richtige soziale Erfahrung. Wir teilen die Arbeit, aber auch Momente des Lebens.» Und Greta empfiehlt die Erfahrung wärmstens: Für sie ist es ein ausgezeichnetes erstes Eintauchen in die Rechtsarbeit. Und weil die Absolvierenden für unterschiedliche Richterinnen und Richter arbeiten, ist die Konkurrenz klein, was die Erfahrung noch angenehmer macht.
Fazit: Am Bundesverwaltungsgericht hört die Teamarbeit nicht an der Bürotür auf. Sie geht beim Essen, im mehrsprachigen Gespräch und im freundschaftlichen Ausgang weiter. Das beweist, dass die Zusammenarbeit mit anderen Menschen auch in den institutionalisiertesten (Arbeits-)Umfeldern zentral für den Erfolg ist.
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