Die vielfältige Freizeitkünstlerin

Ohne die Stelle am Bundesverwaltungsgericht wäre das künstlerische Talent von Regula Frey wohl nie entdeckt worden. So aber zaubert die Gerichtsschreiberin der Abteilung IV in ihrer Freizeit aus Pinsel, Farbe, Leinwand und St. Galler Stoffen exquisite Kunstwerke.

29.04.2026 - Katharina Zürcher

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Regula Frey mit einem ihrer Bilder.
«So wie ich es liebe, Bilder zu malen und Kissen zu nähen, so gern lasse ich sie ziehen – in der Hoffnung, dass sie in einem neuen Zuhause ein klein wenig von dieser Freude versprühen»: Regula Frey. (Bild: Daniel Winkler)

Wer das Büro von Regula Frey betritt, sieht sofort, dass hier jemand mit einer Vorliebe für Kunst arbeitet. An den Wänden des kleinen Raums hängen diverse Bilder, die von einer grossen Vielfalt zeugen: vom grossformatigen Strukturgemälde in schimmernden Violetttönen über ein an einen japanischen Zengarten erinnerndes weiss-silbernes Bild bis hin zu mehrschichtigen Kompositionen in verschiedenen, wunderschön aufeinander abgestimmten Farbtönen. Diese Bilder, für die die Gerichtsschreiberin der Abteilung IV Beize, Acryl- und Ölfarben in mehreren, zum Teil transparenten Schichten auf Leinwand aufgetragen hat, strahlen eine zauberhafte Leichtigkeit und Verspieltheit aus. Regula Frey lächelt: «Mein Mallehrer meinte kürzlich, dass ich male, wie Rilke geschrieben habe.»

Ein Hobby für lange Abende im Hotel
Angesichts der Professionalität ihrer Werke ist es schwer vorstellbar, dass die im Kanton Freiburg wohnhafte Juristin erst vor zwölf Jahren mit Malen begonnen hat. «Natürlich habe auch ich als Kind gern gezeichnet», sagt sie, «aber dass ich einmal Bilder malen würde, die andere kaufen, hätte ich nie gedacht.» Dass sie, nachdem das Bundesverwaltungsgericht 2012 von Bern nach St. Gallen gezügelt war, überhaupt einen Malkurs belegte, war mehr den langen Abenden im Hotelzimmer geschuldet denn einem Bedürfnis nach künstlerischem Ausdruck. «Ich wollte nicht jeden Abend mit Kollegen im Restaurant verbringen und suchte mir deshalb ein Hobby.» 

Dass ihr Gespür für Formen und Farben und ihre Fertigkeit im Umgang mit dem Pinsel auch anderen gefällt, merkte sie schon nach Fertigstellung des allerersten Bildes. «Wir mussten unsere Bilder wegen einer Renovation des Kursraums mitnehmen», erzählt sie. «Im Lift nach unten begutachtete ein Mann mein Bild und fragte mich beim Aussteigen nach dem Preis.» Weil sie dachte, er mache Spass, entfernte sie sich. «Da rief er mir nach, er meine es ernst und würde das Bild gerne kaufen.» Im Bus überlegte sie sich, was sie für das Bild verlangt hätte, wenn sie nicht so überrumpelt gewesen wäre. Als sie im Hotel ankam, empfing der Hoteldirektor sie mit den Worten: «Haben Sie das gemalt? Ist das käuflich?» Er erkundigte sich nach dem Preis – «dazu hatte ich mir zum Glück inzwischen Gedanken gemacht» – und fragte nach weiteren Bildern. «Ich hatte ja noch keine weiteren, sagte ihm aber, dass ich welche malen könne.» So kam sie zu ihrem ersten Auftrag, der darin bestand, für jedes der rund zehn Hotelzimmer ein Bild zu malen.

«So wie ich es liebe, Bilder zu malen und Kissen zu nähen, so gern lasse ich sie ziehen – in der Hoffnung, dass sie in einem neuen Zuhause ein klein wenig von dieser Freude versprühen.»

Regula Frey

Von der Bild- zur Musikkomposition
Auch zu ihrer ersten Ausstellung kam Regula Frey durch Zufall. «Ich fragte in einer Galerie in der Altstadt von Bern nach dem Preis eines im Schaufenster ausgestellten Bildes. Die Galeristin entdeckte Farbe und Leinwand in meiner Tasche und wollte wissen, ob ich selbst male.» Der Zufall wollte es nämlich, dass einer von mehreren Künstlern, die sie im Folgemonat ausstellen wollte, krankheitsbedingt ausgefallen war. Der Galeristin gefielen ihre Bilder, und an der Vernissage wurde sogar ein Musikstück gespielt, das zu einem von Regula Freys Bilder komponiert worden war. Auch das Publikum zeigte sich begeistert und kaufte mehrere ihrer Werke. Hat sie bei diesem Erfolg nie daran gedacht, der Kunst mehr Raum in ihrem Leben zu geben? «Nein», antwortet die Teilzeitkünstlerin, ihr passe der Mix aus 80 Prozent Juristerei und 20 Prozent Übrigem – also Kunst, Rudern und Fahreinsätzen für das örtliche Behindertentaxi. «So bewahre ich mir die Freiheit, das zu realisieren, was ich will.»

Stoffrollen, wie Juwelen ausgestellt
Und das sind neben ihren vielfältigen – notabene unsignierten – Bildern auch exquisite Kissen, die sie aus Haute-Couture-Stoffen näht. Auch dieses Hobby ist eng mit St. Gallen verknüpft, und auch dazu kam sie per Zufall. «Ich begleitete eine Bekannte zum Fabrikladen von Jacob Schlaepfer. Die Stoffrollen dort waren wie Juwelen ausgestellt – ich war hin und weg.» Sie erstand einige kleine Stoffreste, um daraus Collagen zu machen. Mit der Zeit kam sie auf die Idee, aus den Stoffen, die für sich allein schon kleine Kunstwerke sind, Kissen zu nähen. Und obwohl sie weder für die Bilder noch für die Kissen irgendein Marketing betreibt und höchstens einmal pro Jahr an einer Gruppenausstellung teilnimmt, finden ihre Werke zuverlässig den Weg zu ihrem Publikum. 

Gibt es Kissen oder Bilder aus den zwölf Jahren ihres Schaffens, von denen sie sich nicht trennen kann? «Eigentlich nicht», antwortet sie. Sie habe lange ein absolutes Lieblingsbild gehabt, aber als es jemandem so gut gefiel, dass er immer wieder danach fragte, habe sie sich auch davon getrennt. Vielleicht ist es genau diese Leichtigkeit, die sich in ihrem Werk spiegelt und es so anziehend macht. Regula Frey freut sich jedenfalls, wenn sie jemandem mit ihrem Schaffen Freude bereiten kann: «So wie ich es liebe, Bilder zu malen und Kissen zu nähen, so gern lasse ich sie ziehen – in der Hoffnung, dass sie in einem neuen Zuhause ein klein wenig von dieser Freude versprühen.» 

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