Sport, Balance und psychische Gesundheit bei der Arbeit

Für Rocco Maglio, Medienbeauftragter des Bundesverwaltungsgerichts, ist Sport keine Frage der Leistung oder des Zwangs. Vielmehr ist er sein persönlicher Fixpunkt und zentral, um in einem anspruchsvollen Berufsalltag die körperliche und psychische Balance zu wahren.

08.09.2026 - Lena Azemi

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Rocco Maglio, Sport, Balance und psychische Gesundheit
Für Rocco Maglio schafft das Joggen den Raum, um seine Gedanken zu ordnen und einen gesunden Abstand zu finden. (Bild: Lena Azemi)

Seit jeher hat Sport zu seinem Leben gehört. Als Kind spielte Rocco Maglio Fussball; jede Woche bis zu vier Trainings und Matchs. Auch Bergsportarten waren ihm sehr wichtig: Ski, Snowboard, Mountainbike, vor allem in der Ostschweiz und rund um Sankt Gallen. Das war für ihn nie ein Zwang, sondern ganz selbstverständlich und nicht wegzudenken. 
Als Teenager profitierte er vom vielfältigen Sportangebot der Schule, um neue Sportarten zu entdecken: Curling, Golf, Leichtathletik und wieder Ski. Er probierte alles, entdeckte Neues und begeisterte sich für vieles. Diese Neugierde prägte ein lustbetontes, offenes Verhältnis zum Sport ohne Spezialisierungs- und Leistungsdrang. Noch heute hat er Lust auf Neues: Kitesurf hat er noch nie getestet und später, wenn Leisertreten angesagt ist, wäre auch Langlauf möglich.

Arbeit und Stress – wenn Körper und Geist Alarm schlagen
Manchmal geraten Familien- und Berufsalltag aus der Balance. Die Ansprüche und Verantwortlichkeiten nehmen zu. Rocco Maglio arbeitet in einem Umfeld, in dem die psychische Belastung real ist: Entscheide erklären, auf Kritik eingehen, mit Journalistinnen, Juristen und Vertretern der Öffentlichkeit, oft starken Persönlichkeiten in häufig spannungsgeladenen Settings im Dialog stehen.
Seine «Halt, es wird zu viel»-Signale, die er ganz persönlich findet, kennt er sehr gut. Das erste ist der Schlaf: Wenn er schlecht schläft, ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Andere Reaktionen sind weniger gut messbar: wenn es schwierig ist, ruhig zu bleiben, oder der Eindruck entsteht, Beruf und Privates vermische sich zu sehr. Er betont, dass diese Signale ganz individuell seien. Was bei ihm Alarm auslöse, könne für andere im grünen Bereich liegen. Darum scheint es ihm wichtig, sich selbst zu kennen und die eigenen Grenzen wahrzunehmen, bevor eine Situation aus dem Ruder läuft.

«Joggen ist eine einfache und effiziente Sportart ohne logistischen Aufwand. Eine Stunde reicht, um sich zu bewegen, zu schwitzen, sich den Kopf zu leeren und in der Nacht besser zu schlafen.»

Rocco Maglio

Sport als Problemlöser
In angespannten Momenten spielt Sport für ihn eine zentrale Rolle. Mit der Zeit hat sich seine sportliche Tätigkeit verändert: weniger Snowboard und Mountainbike, die sich schwerer in eine übervolle Agenda quetschen lassen, dafür mehr Jogging, eine einfache und effiziente Sportart ohne logistischen Aufwand. Eine Stunde reicht, um sich zu bewegen, zu schwitzen, den Kopf zu leeren und in der Nacht besser zu schlafen. Aber der Sport wirkt nicht nur auf den Körper; für Rocco Maglio ist er auch eine psychische Ressource. Wenn er berufliche und persönliche «Knoten» wahrnimmt, hilft ihm das Joggen, um sie zu lösen. Es schafft den Raum, um die Gedanken zu ordnen und einen gesunden Abstand zu finden. Dabei achtet er darauf, dass der Sport nicht zusätzlichen Druck erzeugt. Keine Smartwatch, kein Distanzmesser, kein Vergleich mit anderen. Vielmehr verlässt er sich auf sein Gefühl. Er akzeptiert Formschwankungen, freut sich über eine Stabilisierung auf tieferem Niveau und relativiert, wenn er enttäuscht ist. Ein einziges Ziel hat er im Moment: ein Halbmarathon, einfach aus Freude am Erlebnis und um zu sehen, ob er dazu fähig ist.

Dialogkultur und berufliche Balance
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz hängt für Rocco Maglio vor allem von der Betriebskultur ab. Er findet, dass diese Dimension am Bundesverwaltungsgericht insgesamt ihren Platz hat. Es wird nicht implizit ein Überengagement erwartet, und wenn er abends oder am Wochenende arbeitet, tut er das aus freien Stücken und nicht, weil es Vorgesetzte erwarten. Die Betriebskultur ist, bedingt durch die kollegiale Entscheidfindung des Gerichts, durch Debattieren, Argumentieren und Kompromissfindung geprägt. In diesem Zusammenhang findet es Rocco Maglio besonders wichtig, abweichende Meinungen zu äussern, den Endentscheid aber zu akzeptieren, auch wenn er nicht dem eigenen Standpunkt entspricht. Die Fähigkeit, gerade bei Kritik von aussen innerlich von den Entscheidungen der Institution Abstand zu nehmen, ist für ihn eine entscheidende Voraussetzung für die psychische Gesundheit bei der Arbeit.
Seine Botschaft an die Kolleginnen und Kollegen ist bewusst einfach und nuanciert gehalten: Es gibt kein allgemein gültiges Rezept. Alle haben ihr eigenes Tempo, ihre Bedürfnisse und ihre Warnsignale. Das Wichtigste ist, sich selbst zu kennen, früh und deutlich anzusprechen, wenn etwas schiefläuft, und im Dialog nach Lösungen zu suchen. Dabei kann der Sport helfen, ist aber bei weitem nicht die einzige Möglichkeit. Rocco Maglios Philosophie in einem Satz: Behandle die anderen, wie du selbst behandelt werden möchtest.

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